Odenwälder Spinnstubb

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Aus Sagen und Liedern wob sich, weil der Sammler die Art seines Heimatvolkes verstand, ein Reichtum, aus dem er immer wieder das hessische Lied- und Schrifttum speisen konnte.

Beschreibung

Historisches Deutschland

Odenwälder Spinnstubb

Taschenbuch        331 Seiten        12,95 €

ISBN: 978-3-96286-078-3

Den im heimischen Volkslied enthaltenen Schatz deutschen Wesens und Empfindens zu bewahren und den Volksgesang neu zu beleben, hat sich der Odenwaldklub zu seinen sonstigen Zielen als weiteres, neues Ziel gesetzt.“ So schrieb im Oktober 1903, also vor über einem Vierteljahrhundert, Heinrich Krapp im Geleitwort seiner „Odenwälder Spinnstube“. In tausenden von Exemplaren sollte diese Sammlung hinausgehen in die Dörfer des Odenwaldes, „um dem jungen Volke singen zu helfen, wie die Alten gesungen, und um der wachsenden Gefahr des Eindringens ungesunden, oder doch nach Stoff und Inhalt wertlosen, fremden Tands zu begegnen.“ Hat Krapps heißes Bemühen Erfolg gehabt? Eine Entscheidung dieser Frage nach der inneren Seite hin, ob die „Spinnstube“ vermocht hat, der Flut des Schlagers einen, wenn auch geringen Widerstand entgegenzustemmen, ist schwer zu geben. Rein äußerlich wenigstens ist der Erfolg unbestritten. Der ersten Auflage von 1903 folgte die zweite Auflage im Jahre 1910, und auch sie war schon vor dem großen Krieg vergriffen.

Wenn hier das beste Werk eines selbstlosen und tüchtigen Menschen neu aufleben soll, so wollen wir auf das Denkmal, das er sich selbst damit gesetzt hat, schlicht und einfach seinen Namen setzen und nur ein klein wenig Blätterwerk der Erinnerung darum winden. Ich lernte Heinrich Krapp – als ich jung und unerfahren in meiner ersten Lehrerstelle stand – als einen Menschen kennen, dessen Herz und Sinn weit geöffnet standen, wo Lied, Brauch, Sitte, wo Freud und Leid seines Volkes zu ihm sprachen, und der nie müde wurde, dort, wo er gleiche Liebe und Hingabe spürte, zu raten und zu helfen. Wenn einer verwachsen war mit seinem Volk und seiner Heimat, so war es Heinrich Krapp. Ich lernte das noch besser einschätzen, als ich einige Jahre später in seine neue Heimat, nach Darmstadt, kam. Gänge mit ihm durch Wald und Natur wurden Feierstunden. Wie kannte er seinen Wald, wie kannte er sein Land, seine Heimat, sein Volk, seinen Odenwald. Dorther war er gekommen, aus Hainstadt, der Breuberger Gegend, und wenn er auch nun in der Stadt lebte und wirkte, er war geblieben, was er zuvor gewesen war: ein Sohn des harten und arbeitsamen Landvolkes. Daß er das war, wurde einem immer wieder von neuem ins Bewußtsein gerückt, wenn man Zeuge wurde, wie ihn, den einfachen Menschen, die wortkargen, verschlossenen Bauern draußen im Odenwald aufnahmen, wie sich in seiner Gegenwart der schweigsame Mund zu Erzählung und Lied öffnete. Wie aus verzauberten Quellen holte er diese Schätze aus der Erinnerung seiner Landsleute heraus, hob er sie ans Licht und faßte sie neu für alle, die daran Freude haben wollten. Aus Sagen und Liedern wob sich ihm, weil er die Art seines Heimatvolkes verstand, ein Reichtum, aus dem er immer wieder das hessische Schrifttum speisen konnte.“